AI-Rennen: USA steht vor Stromengpass, China holt auf
Die USA führen weltweit bei der Künstlichen Intelligenz (KI), doch laut einer neuen Studie von Goldman Sachs droht dem Fortschritt eine neue, tiefgreifende Grenze: die Belastung des Stromnetzes. Während die USA mit 44 Prozent der globalen Rechenzentrums-Kapazität die Nase vorn haben – mehr als China, die EU, Japan, Südkorea und Indien zusammen – wächst die Nachfrage nach Strom durch KI-Infrastruktur rasant. Aktuell verbrauchen Rechenzentren bereits etwa sechs Prozent des gesamten US-Strombedarfs, und bis 2030 könnte dieser Anteil auf fast 11 Prozent steigen. Dies würde bestimmte Regionen des Stromnetzes an ihre Grenzen bringen, warnt Goldman Sachs. Die Analyse zeigt, dass die US-Stromreservekapazität im Sommer von 26 Prozent vor fünf Jahren auf aktuell 19 Prozent gesunken ist – ein deutliches Zeichen für eine zunehmende Spannung im Netz. Wenn die KI-Entwicklung weiterhin mit aktuellem Tempo voranschreitet, könnte die Reserve unter die kritische Schwelle von 15 Prozent fallen, was zu Engpässen und möglicherweise zu Stromausfällen führen könnte. Im Gegensatz dazu baut China gezielt Energiekapazität aus. Laut Goldman Sachs wird China bis 2030 über eine effektive Reservekapazität von rund 400 Gigawatt verfügen – mehr als das Dreifache der erwarteten KI-relevanten Stromnachfrage weltweit. Dies ermöglicht es dem Land, sowohl die KI-Entwicklung als auch andere Industrien zu unterstützen. China reagierte nach einem Energieengpass im Jahr 2021 mit einem umfassenden Ausbau von Stromerzeugung durch erneuerbare Energien, Erdgas, Kernkraft und Kohle. Die USA hingegen schließen Kohlekraftwerke schneller ab, als neue Gas- oder erneuerbare Anlagen hinzukommen. Zudem stehen längere Genehmigungszeiten für Projekte und ein weltweiter Mangel an gastriebenen Turbinen als weitere Hemmnisse für den Ausbau der Infrastruktur im Raum. Auch Nvidia-Chef Jensen Huang warnte vor den Folgen: In einem Gespräch mit der Financial Times hob er hervor, dass zunehmende regulatorische Hürden in den US-Bundesstaaten die Innovation behindern könnten. Gleichzeitig betonte er, dass in China staatliche Subventionen die Stromkosten für heimische KI-Chips deutlich senken – praktisch „Strom ist kostenlos“. Diese wirtschaftlichen und infrastrukturellen Vorteile könnten China helfen, den globalen KI-Wettlauf zu beschleunigen. Einige Experten sehen in der Strominfrastruktur einen entscheidenden strategischen Faktor für die Zukunft der KI-Machtbalance. „Die Frage ist nicht mehr nur, wer die besten Chips hat, sondern wer die Energie dafür sicherstellen kann“, sagte ein Energiefachmann aus dem Silicon Valley. Die USA müssen daher nicht nur schneller bauen, sondern auch neue regulatorische Rahmenbedingungen schaffen, um Projekte zu beschleunigen. Ohne dringenden Ausbau der Strominfrastruktur könnte selbst die technologische Führung der USA gefährdet werden – ein Paradebeispiel dafür, dass der nächste „Engpass“ nicht im Chip, sondern im Stromnetz liegt.
