SoftBank verkauft Nvidia-Anteile, setzt auf OpenAI
SoftBank hat seinen gesamten Anteil an Nvidia im Wert von 5,8 Milliarden US-Dollar verkauft – und die Erlöse dafür in OpenAI investiert. Dieser Schritt, der die Finanzwelt überraschte, ist jedoch kein Zeichen für ein Ende der KI-Blase, sondern vielmehr ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich die strategische Ausrichtung der großen Investoren im KI-Zeitalter verändert. Der SoftBank-Chef Masayoshi Son, bekannt für seine mutigen und oft umstrittenen Wagnisse, verkaufte die Anteile an dem Unternehmen, das seit dem Erscheinen von ChatGPT im Jahr 2022 zum Symbol der KI-Revolution geworden war, um stattdessen 30 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu stecken – darunter bereits 7,5 Milliarden, die er bisher investiert hat, und weitere 22,5 Milliarden, die er in Kürze zulegen will. Nvidia, das KI-Hardware-Unternehmen, war in den vergangenen Jahren der wichtigste Aktien-Proxy für die KI-Entwicklung. Seine Chips sind unverzichtbar für die Trainings- und Betriebsinfrastruktur von KI-Systemen wie ChatGPT. Daher stieg der Kurs von Nvidia um mehr als das Zehnfache seit 2022. Doch Son sieht in OpenAI, dem kreativen und strategischen Kern hinter der KI-Revolution, eine noch wertvollere Investition. Er vertraut darauf, dass die künftigen Anwendungen, Produkte und Geschäftsmodelle, die OpenAI entwickeln wird, mehr wert sein könnten als die Hardware, die sie benötigt. Dieser Schritt erinnert an frühere Entscheidungen Son’s: 2017 kaufte er Nvidia-Anteile, verkaufte sie zwei Jahre später mit Gewinn und verpasste anschließend den gigantischen Aufschwung des Unternehmens – eine Entscheidung, die er später als „schmerzhaft“ bezeichnete. Jetzt scheint er es besser zu machen: statt in einen öffentlichen, transparenten Markt zu investieren, geht er in eine private, weniger messbare, aber potenziell höher rentable Zukunft – OpenAI, geleitet von CEO Sam Altman, der die Bewertung seiner Firma hart verteidigt und skeptische Fragen über ihre Finanzlage ablehnt. Die Entscheidung ist riskant – und typisch für Son, der mit seinen extremen Wagnissen sein Vermögen in den 1990er Jahren verlor, aber später durch die Investition in Alibaba wieder aufstieg. Auch die Vision Fund-Ära war geprägt von Erfolgen und Fehlern: Die Beteiligung an Uber brachte Jahre an Verlusten, und die WeWork-Deals endeten mit einem Schaden von 13,7 Milliarden US-Dollar, was Son später als „Fleck in meinem Leben“ bezeichnete. Doch nun, nach jahrelanger Wiederbelebung, markiert der Verkauf der Nvidia-Anteile einen Meilenstein. Obwohl der Verkauf knapp 14 Prozent unter dem Allzeithoch von Nvidia lag, war er strategisch: Die Mittel fließen in die KI-Zukunft, nicht in die Vergangenheit. Die Kurse von Nvidia gingen nach der Ankündigung leicht zurück, doch Analysten betonen, dass der Verkauf keine Skepsis gegenüber Nvidia signalisiert, sondern vielmehr die Notwendigkeit, Kapital für neue, größere Ziele zu beschaffen. Wall Street fragt sich nun: Hat Son etwas gesehen, das andere noch nicht erkennen? Sein bisheriges Werk zeigt: Wenn er sich auf etwas festlegt, dann meint er es ernst – auch wenn die Risiken groß sind. In einem Markt, in dem die größten Akteure bereit sind, das Gewisse zu verkaufen, um das Unerprobte zu jagen, ist Son wieder genau dort, wo er am besten ist: mitten im Sturm.
