Google attackiert Apple: Walled Garden, verspätete AI und alter Textbubble-Streit
Bei der „Made By Google 2025“-Veranstaltung in New York setzte Google erneut gezielt Akzente gegen Apple – nicht nur mit neuen Produkten wie dem Pixel 10 und dem Pixel Watch 4, sondern auch mit scharfen rhetorischen Angriffen auf die Wettbewerber. Im Zentrum standen Kritik an Apples verzögerten KI-Entwicklungen, der Qualität der iPhone-Kamera und dem jahrelangen Streit um grüne und blaue Textbubble-Unterschiede zwischen iOS und Android. Rick Osterloh, Senior Vice President von Platforms and Devices bei Google, reagierte auf eine Frage von Jimmy Fallon zur KI-Entwicklung mit einem direkten Seitenhieb: „Es gab viel Hype, aber auch viele gebrochene Versprechen. Gemini ist das echte Ding.“ Damit verwies er auf Apples erneute Verschiebung der Apple Intelligence-Integration in Siri, die im März 2024 erfolgte – ein seltenes Zugeständnis für ein Unternehmen, das sonst für starke Termine steht. Google hatte die Verzögerung bereits in einer Werbung für den Pixel 10 thematisiert: „Wenn Sie ein neues Handy kaufen, weil eine Funktion ‚kommt bald‘, aber schon ein Jahr lang ‚kommt bald‘ ist, könnten Sie die Definition von ‚bald‘ ändern – oder einfach Ihr Handy wechseln.“ Ein weiterer Höhepunkt war die Reaktion auf ein Reddit-Posting, das besagte: „iPhones don’t take the best pics.“ Fallon zeigte es Osterloh, woraufhin dieser lachte und erklärte: „Das hören wir oft.“ Die Reaktion löste Beifall aus und unterstrich die strategische Zielsetzung: Google positioniert sich als technologisch fortschrittlicher und kamerastechnisch überlegen. Adrienne Lofton, VP of Marketing bei Google, griff das Thema „Walled Garden“ auf – eine häufige Kritik an Apples geschlossener Ökosystem-Strategie. Sie betonte, dass einige Hersteller ihre Geräte darauf ausrichten, Nutzer einzusperren, während Android „die offenste Plattform ist, die für Freiheit der Wahl gebaut wurde“. Der Höhepunkt kam bei der Erwähnung der grünen und blauen Textbubble: Seit Jahren klagten Android-Nutzer über schlechte Bildqualität, fehlende Lesebestätigungen und komplizierte Gruppenchats bei der Kommunikation mit iPhones. Google hatte 2022 die Kampagne #getthemessage gestartet, um Apple zur Übernahme des RCS-Protokolls zu drängen. 2024 folgte Apple – allerdings nur teilweise: RCS wurde implementiert, Fotos und Videos wurden nicht mehr komprimiert, Lesebestätigungen und Emoji-Reaktionen funktionierten, doch die Texte blieben grün. Lofton reagierte mit einer klaren Absage: „Der Kampf um grüne und blaue Bubble ist albern, langweilig und wir sind mit diesem Gespräch fertig.“ Ein kurzer, aber präziser Moment entfesselte die Spannung: Als Lofton sagte, der Pixel Snap komme „perfekt mit Apple MagSafe-Zubehör“ zurecht, fragte Fallon scherzhaft: „Sie haben das A-Wort gesagt. Können wir über Apple reden?“ Ihre Antwort war lakonisch: „Bei Pixel sind wir sicher in unserem Produkt und unserer Marke – und wir lieben alle im Spiel, also können wir jeden Namen nennen, den wir wollen.“ Die Kritik war nicht direkt, aber deutlich. Google nutzte die Bühne, um seine technologische Überlegenheit, Offenheit und Kundenorientierung zu unterstreichen – und Apples angebliche Versäumnisse in KI, Kamera und Interoperabilität zu offenbaren. Die Botschaft war klar: Die Zeit der „broken promises“ ist vorbei – und Google ist bereit, den Markt zu führen. Industrieanalysten sehen in der Attacke eine strategische Positionierung vor der bevorstehenden KI- und Hardware-Welle. „Google nutzt die Schwächen von Apple, um seine eigene Stärke zu betonen – besonders in der KI- und Interoperabilitätssphäre“, sagt eine Expertin von TechInsight. „Die grünen Blasen sind zwar längst nicht mehr das Hauptproblem, aber sie bleiben ein Symbol für die geschlossene Denkweise von Apple.“ Google bleibt mit seinem Ökosystem und der Fokussierung auf offene Standards eine ernsthafte Herausforderung für Apple – besonders im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung von KI und interoperablen Diensten.
