Anthropic sucht Ingenieure mit kreativen Nebenprojekten wie Kombucha-Brewing
Boris Cherny, der Schöpfer von Anthropic’s Claude Code, legt bei der Rekrutierung von Ingenieuren besonderen Wert auf sogenannte „Side Quests“ – außergewöhnliche Hobbys oder kreative Wochenendprojekte wie das Brauen von Kombucha. In einem Interview auf „The Peterman Pod“ betonte er, dass er nach Generalisten sucht, die nicht nur technisch versiert, sondern auch neugierig und vielseitig interessiert sind. Solche Projekte seien ein Indikator für kreatives Denken, Eigeninitiative und ein tiefes Interesse an der Welt jenseits des Codes. Cherny selbst habe durch eigene Nebenprojekte wesentliche Fähigkeiten entwickelt, die ihm später bei der Entwicklung von Claude Code halfen. Sein Ansatz spiegelt eine größere Trendwende im Tech-Bereich wider: Die klassischen Spezialisierungen schwinden, und Unternehmen fördern vielseitige Talente, die sowohl programmieren als auch Produktentwicklung, Design und Nutzerforschung verstehen. Bei Anthropic arbeiten Projektmanager, Datenwissenschaftler und User-Researcher alle mit Code – ein Zeichen für die „Product Builder“-Kultur, die durch KI-Entwicklung vorangetrieben wird. Auch Figma-Chef Dylan Field sprach von einer Verschmelzung von Berufsfunktionen. Zuvor hatte Anthropic geprüft, ob Bewerber KI-Tools bei ihren Bewerbungen nutzten, um ihre „nicht-AI-gestützten Kommunikationsfähigkeiten“ zu testen. Im Juli wurde diese Politik jedoch aufgegeben, und nun dürfen Bewerber Claude nutzen. Dennoch zeigt sich CEO Mike Krieger skeptisch gegenüber Einsteigern: Er konzentriert sich auf erfahrene Ingenieure, da die Komplexität der Arbeit und die hohe Verantwortung in der KI-Entwicklung oft mehr Erfahrung erfordern. Chernys Ansatz, die Vielseitigkeit und Neugier zu schätzen, spiegelt eine tiefere Vision wider: Die besten Ingenieure sind nicht nur Techniker, sondern auch Entdecker, die durch ihre Hobbys und Interessen wachsen. Industrieexperten sehen in diesem Ansatz eine notwendige Anpassung an die KI-Ära. „Die Zukunft gehört nicht den Spezialisten, sondern den Generalisten, die mit KI zusammenarbeiten können, aber auch eigenständig denken und gestalten“, sagt ein Tech-Recruiter aus Silicon Valley. Anthropic, gegründet 2021 von Ex-Google-Mitarbeitern, positioniert sich als ethisch ausgerichteter KI-Anbieter mit Fokus auf Sicherheit und Transparenz. Chernys Rolle als Schöpfer von Claude Code unterstreicht die Bedeutung von kreativem, menschzentriertem Engineering in der KI-Entwicklung. Sein Anspruch, „gutartige“ Technologie zu bauen, geht über reine Leistung hinaus – er will Menschen, die mit Leidenschaft und Neugier arbeiten.
