OpenAI stellt ChatGPT-Atlas vor – Herausforderung an Google Chrome
OpenAI hat heute früh seinen lang erwarteten AI-Browser ChatGPT Atlas offiziell vorgestellt – eine bedeutende Entwicklung im Kampf um die Zukunft des Internets. Der Browser, der auf dem Open-Source-Projekt Chromium basiert, soll nicht nur eine neue Art des Surfens ermöglichen, sondern auch einen direkten Angriff auf Googles Dominanz im Browsermarkt darstellen, wo Chrome mit 71 Prozent Marktanteil führt. Der CEO von OpenAI, Sam Altman, betonte in der Livestream-Präsentation: „Atlas ist kein einfacher Browser – es ist der erste Schritt in Richtung einer agentenbasierten Internetnutzung. Die Zukunft des Surfens wird Gespräche sein.“ Atlas ist ab sofort für macOS-Nutzer verfügbar und steht allen ChatGPT-Nutzern offen, auch kostenlosen. Windows-, iOS- und Android-Versionen folgen später. Das Kernfeature ist die integrierte ChatGPT-Integration über eine Seitenleiste: Durch einen Klick auf „Frage ChatGPT“ kann der Nutzer auf jeder Webseite direkt mit dem AI-System kommunizieren. Dies ermöglicht Echtzeit-Zusammenfassungen, Textumformungen oder Antworten auf Fragen – alles ohne Umsteigen zwischen Tabs oder Kopieren von Inhalten. Eine besondere Funktion ist „Cursor Chat“, bei der ausgewählter Text direkt im Dokument bearbeitet wird, ohne den Kontext zu verlassen. Einzigartig ist auch die „Browser Memory“-Funktion: Sobald aktiviert, speichert ChatGPT Besuchsdaten von Websites und Nutzerverhalten, um personalisierte Antworten zu liefern. Nutzer können diese Daten jederzeit einsehen, löschen oder deaktivieren. Auch die Datenschutzrichtlinien sind klar: Standardmäßig werden keine Surfdaten zur Modellverbesserung verwendet – nur wenn der Nutzer dies explizit freigibt. Ein weiteres zentrales Feature ist der Agentenmodus, der bereits im Juli bei ChatGPT vorgestellt wurde und nun direkt im Browser integriert ist. Hier kann ChatGPT komplexe Aufgaben übernehmen: von der Reiseplanung über das Buchen von Restaurants bis hin zum Einkauf von Lebensmitteln. In der Demonstration füllte er automatisch einen Einkaufswagen bei Instacart mit Zutaten aus einem Rezept. Dennoch gibt OpenAI Warnungen ab: Der Agent kann keine Programme ausführen, keine Dateien herunterladen oder auf das Betriebssystem zugreifen. Auf sensiblen Seiten wie Banken wird die Funktion automatisch angehalten. Trotz intensiver Sicherheitstests („Red Team“) bleibt das Risiko von Manipulationen durch schadhafte Webseiten bestehen. Zur Entwicklung des Browsers gehörte eine hochkarätige Mannschaft: Ben Goodger, ehemaliger Chefentwickler von Firefox und Chrome, ist nun Engineering-Leiter bei Atlas. Zusammen mit ehemaligen Apple- und Google-Mitarbeitern bildet er ein Team, das Jahre an Entwicklung investiert hat. Mit Atlas tritt OpenAI direkt in den Wettbewerb mit Google, Microsoft und Start-ups wie Perplexity und The Browser Company. Die Ankündigung führte bereits zu einem Kursrückgang von Alphabet um über 2,2 Prozent. Ob Atlas den Markt verändern kann, hängt davon ab, wie schnell Nutzer die neue Form der Internetnutzung annehmen. Doch klar ist: Die Ära der reinen Tabs ist vorbei – die Zukunft des Internets könnte tatsächlich eine Gesprächsform sein.
