Nvidia baut AI-Chips in Arizona und stärkt US-Technologie-Independenz
Nvidia-Chef Jensen Huang hat auf der GTC-Konferenz in Washington D.C. bekannt gegeben, dass die leistungsstärksten KI-Chips der Firma, die Blackwell-GPUs, nun vollständig in Arizona gefertigt werden. Bisher wurden diese Chips ausschließlich in Taiwan von TSMC hergestellt. Huang erklärte, dass ehemaliger US-Präsident Donald Trump ihn bereits vor neun Monaten gebeten habe, die Produktion in die USA zurückzuholen – aus Gründen der nationalen Sicherheit und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. In dieser Woche hatten Nvidia und TSMC die Produktion der ersten Blackwell-Wafer in einer Fabrik in Phoenix angekündigt, wobei die Chips später in den USA montiert werden. Die Konferenz in der Hauptstadt dient nicht nur der Vorstellung neuer Technologien, sondern auch der Beeinflussung politischer Entscheidungsträger. Huang betonte, dass die Veranstaltung in Washington stattfindet, um politische Entscheidungsträger zu erreichen – auch wenn Trump derzeit in Asien ist. Laut Reuters plant er jedoch, am Mittwoch mit Huang zu sprechen. Die Nachfrage nach Blackwell-Chips bleibt enorm: Huang berichtete, dass in den letzten vier Quartalen bereits 6 Millionen Einheiten ausgeliefert wurden. Die Gesamterlöse aus Blackwell und der kommenden Rubin-Generation sollen bis zum nächsten Jahr 500 Milliarden Dollar erreichen. Parallel dazu kündigte Nvidia eine strategische Partnerschaft mit dem finnischen Unternehmen Nokia an: Nvidia wird eine Milliardeninvestition in Nokia tätigen und dort Chips für 5G- und 6G-Netze bereitstellen. Die neuen Basisstationen sollen mit dem neu entwickelten Nvidia ARC-System ausgestattet sein, das Grace-GPU, Blackwell-GPU und Netzwerktechnologie kombiniert. Huang warnte davor, dass die weltweiten Kommunikationsnetze weiterhin auf fremden Technologien basierten – insbesondere auf chinesischen Produkten wie Huawei. Er betonte, dass die USA die Gelegenheit haben, diese Abhängigkeit zu beenden, besonders in Zeiten des technologischen Umbruchs. Die USA haben Huawei bereits 2018 von ihren Netzen ausgeschlossen, wodurch Nokia und Ericsson die führenden Anbieter wurden. Die geografische Lage der Konferenz unterstreicht, dass Nvidia sich als zentraler Bestandteil der „amerikanischen Technologiestack“ positioniert. Der CEO argumentiert, dass es im Interesse der USA sei, chinesische KI-Entwickler an US-Technologie zu gewöhnen, anstatt sie zur Entwicklung eigener Chips zu zwingen. Kari Briski, Vice President für generative KI-Software bei Nvidia, betonte, dass das Unternehmen die US-amerikanische KI-Infrastruktur aufbaut, um die globale Innovationsführung zu sichern. Die geopolitischen Risiken sind hoch: US-Exportbeschränkungen haben Nvidia bereits Milliarden an Umsatz gekostet. So musste das H20-Chip-Modell, das speziell für den chinesischen Markt entwickelt wurde, nun eine Lizenz erhalten – was zu einem Verlust von etwa 10,5 Milliarden Dollar in zwei Quartalen führte. Obwohl die Lizenz nun genehmigt ist, muss Nvidia 15 Prozent der Umsätze aus China an die US-Regierung abführen. Aktuell ist Nvidia laut Huang „100 Prozent aus China“ herausgezogen und hat dort kein Marktanteil mehr. Ein neues Blackwell-basiertes Chip-Modell für China wurde bisher nicht vorgestellt. Bewertung und Hintergrund: Industrieanalysten sehen in der Arizona-Produktion eine strategische Wende für die US-Technologie- und Sicherheitspolitik. Die Partnerschaft mit Nokia unterstreicht die Bemühungen, die globale Kommunikationsinfrastruktur amerikanisch zu stärken. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von chinesischen Märkten für Nvidia hoch – besonders, da die chinesische KI-Industrie weiterhin auf leistungsstarke Chips angewiesen ist. Nvidia, gegründet 1993 in Kalifornien, ist heute der weltweit führende Hersteller von GPUs für KI-Anwendungen und spielt eine Schlüsselrolle im globalen Technologiewettlauf. Die Firma ist nicht nur ein Wirtschaftsakteur, sondern auch ein geopolitisches Instrument in der Auseinandersetzung zwischen den USA und China.
