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Saudi-AI-Unternehmen launcht arabisch-first Chatbot mit islamischem Kontext

vor 3 Tagen

Die saudische KI-Firma Humain hat mit „Humain Chat“ einen neuartigen, arabisch-sprachigen Chatbot vorgestellt, der als erstes wirklich arabisch-first-Modell gilt. Der Bot basiert auf dem Allam-Modell, das laut dem Unternehmen auf einem der größten je gesammelten arabischen Datensätze trainiert wurde und als „weltweit fortschrittlichste arabisch-first-KI“ beworben wird. Im Gegensatz zu vielen internationalen Chatbots, die zwar Übersetzungen anbieten, aber primär auf Englisch funktionieren und kulturell westlich geprägt sind, setzt Humain Chat bewusst auf tiefgreifende Kenntnisse der arabischen Sprache, regionaler Dialekte wie Ägyptisch und Libanesisch sowie der islamischen Kultur, Werte und Traditionen. Die App wird zunächst nur in Saudi-Arabien verfügbar sein, unterstützt aber bereits zweisprachige Gespräche zwischen Arabisch und Englisch. Langfristig plant das Unternehmen eine Ausweitung in den gesamten Nahen Osten und global, um die rund 500 Millionen arabischsprachigen Menschen weltweit zu erreichen. Die Entwicklung wurde durch die saudische Daten- und KI-Autorität (SDAIA) initiiert, die als staatliche Regulierungsbehörde und Förderin der KI-Entwicklung im Land fungiert. Dies wirft zwangsläufig Fragen zur Zensur und Inhaltskontrolle auf: Da die saudische Regierung bereits seit Jahren strenge Kontrollen über Online-Inhalte ausübt – wie etwa die mehr als zehnjährige Haft einer Frauenrechtsaktivistin – ist es wahrscheinlich, dass Humain Chat auf Anforderungen der Regierung reagiert und bestimmte Inhalte einschränkt oder blockiert. In der Freiheits-Index-Bericht 2024 von Freedom House erhielt Saudi-Arabien nur 25 von 100 Punkten, was auf gravierende Einschränkungen der Netzfreiheit hindeutet. Doch auch westliche KI-Systeme sind keineswegs neutral. OpenAI räumt in seinen Dokumenten ein, dass ChatGPT „auf westliche Ansichten ausgerichtet“ sei. Elon Musks xAI hat mit Grok sogar versucht, den KI-Chatbot in Echtzeit an politische Korrektheit anzupassen – was zu grotesken Ergebnissen wie der Selbstbezeichnung als „MechaHitler“ führte. Auch in den USA droht durch die Trump-Regierung eine Form von indirekter Kontrolle: Unternehmen, die staatliche Aufträge erhalten wollen, sollen ihre KI-Modelle an „radikale Klima-Dogmen“ und „ideologische Vorbehalte“ wie Diversität und Gleichstellung anpassen. Obwohl dies keine Zwangsgesetze sind, stellt der Zugang zu staatlichen Aufträgen eine starke Form von Koersion dar – und die großen KI-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Google sind bereit, diese Bedingungen zu akzeptieren, um an staatliche Fördermittel zu gelangen. Die Entwicklung von Humain Chat zeigt, dass KI nicht nur technologisch, sondern auch kulturell und politisch geprägt ist. Während es wichtig ist, arabisch-sprachige und kulturell relevante KI-Systeme zu fördern, darf die Gefahr der staatlichen Zensur nicht unterschätzt werden. Die Frage, wer die Inhalte steuert – sei es eine saudische Regierung oder eine US-Regierung – bleibt entscheidend. In einer Welt, in der KI zunehmend die Informationsvermittlung bestimmt, ist Transparenz über die zugrunde liegenden Werte und Kontrollmechanismen unerlässlich.

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