Microsoft-geführtes Veir bringt Supraleiter in Rechenzentren ein
Die von Microsoft unterstützte Start-up-Unternehmen Veir arbeitet daran, Supraleiter in Rechenzentren einzusetzen, um die steigenden Energieanforderungen dieser Einrichtungen zu bewältigen. In den letzten Jahren sind die Strombedarfe von Rechenzentren von einigen Dutzend auf bis zu 200 Kilowatt gestiegen – ein Tempo, das die Planung zukünftiger Infrastrukturen herausfordert. „In den nächsten Jahren werden wir 600 Kilowatt erreichen, dann ein Megawatt, und bald darauf mehrere Megawatt pro Rack“, sagt Tim Heidel, CEO von Veir, gegenüber TechCrunch. In solchen Größenordnungen werden herkömmliche Niederspannungsleitungen zu groß und erzeugen unerträgliche Wärmemengen. Um dies zu lösen, hat Veir seine Supraleiterkabel speziell für den Einsatz innerhalb von Rechenzentren angepasst. Ihr erstes Produkt ist ein Kabelsystem, das bis zu drei Megawatt Niederspannung elektrisch übertragen kann. Um die Technologie zu demonstrieren, errichtete Veir in Massachusetts ein simuliertes Rechenzentrum. Die Kabel sollen Anfang nächstes Jahr in Pilotprojekten getestet werden, mit einem erwarteten kommerziellen Start im Jahr 2027. Supraleiter leiten Strom ohne Energieverlust – doch dafür müssen sie auf Temperaturen unter –196 °C gekühlt werden, typischerweise mit flüssigem Stickstoff. Veir nutzt dafür denselben Supraleitermaterialien wie bei ihren früheren Projekten für Hochspannungsübertragungsleitungen, integriert sie jedoch in eine kompakte, gekühlte Kabelstruktur. Die Kabel sind mit einer isolierenden Hülle versehen, die das Kühlmedium hält, und enden in Übergabekästen, die den Übergang von Supraleiter zu Kupfer ermöglichen. „Wir sind ein Systemintegrator, der Kühlungssysteme entwickelt, Kabel herstellt und die gesamte Lösung zusammenstellt, um riesige Energiemengen in minimalem Raum zu übertragen“, erläutert Heidel. Die resultierenden Kabel beanspruchen 20-mal weniger Platz als Kupferkabel und können Energie fünfmal weiter übertragen. Die rasche Entwicklung im Rechenzentrumssektor, besonders getrieben durch die Anforderungen künstlicher Intelligenz, hat die Branche zu einem schnelleren Innovationsrhythmus veranlasst als die Energieversorger, die sich traditionell eher zögerlich zeigen. „Die Rechenzentrumsbranche bewegt sich viel schneller, und die Probleme, die sie lösen muss, sind dringender“, sagt Heidel. Bereits vor Jahren führte Veir Gespräche mit Rechenzentrumsbetreibern, doch in letzter Zeit veränderte sich der Ton: Statt sich hauptsächlich um Netzanschlüsse zu sorgen, suchten Kunden nun nach Lösungen für interne Herausforderungen. Die Anpassung der Supraleitertechnologie an niedrige Spannungen und enge Räume markiert einen strategischen Wandel, der die Energieeffizienz und räumliche Auslastung in Rechenzentren revolutionieren könnte. In der Branche wird die Technologie als potenziell entscheidend für die Zukunft der Datenzentren angesehen. Experten betonen, dass die Kombination aus hohem Leistungsbedarf, räumlichen Engpässen und Klimazielvorgaben die Einführung solcher Systeme dringend erforderlich macht. Veir, gegründet 2018, ist ein Spin-off aus dem MIT und hat sich auf die Entwicklung von Supraleiter-Infrastruktur spezialisiert. Mit der Unterstützung von Microsoft und dem Fokus auf Rechenzentren positioniert sich das Unternehmen als Pionier in der Energiewende der digitalen Infrastruktur. Die technologische Reife und Skalierbarkeit der Lösung werden in den kommenden Piloten entscheidend sein.
